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Mehr als nur gut geschrieben. Was zeichnet starke Werbetexte wirklich aus?

13.03.2019

Peter Scharfetter arbeitet als Junior Copywriter in einer deutschen Werbeagentur und textet für Kunden aus den Bereichen Automotive, Fast Moving Consumer Goods, Bankwesen und Tourismus. Ob er seinen Job mag und wie alles angefangen hat, erzählt er in einem Interview.



Wie bist du dazu gekommen und was war dein Impulsmoment?


In meinen Anfang-Zwanzigern war ich total besessen von Beat-Poetry, vor allem von Allen Ginsberg. Nicht besonders auffällig für dieses Alter, aber so spannend, dass ich selbst angefangen habe Prosa-Gedichte und Kurzgeschichten zu verfassen. Zwar gab es im Teenageralter schon einmal eine Phase voller mittelschlechter Rap-Texte aber zu der Zeit hat mich Sprache recht wenig interessiert. Die Zeit bis zum einen Moment habe ich vielmehr damit verbracht, selbst die absurdesten Geschichten zu durchleben. 

 

Text war für mich bis dahin grundsätzlich verbunden mit Musik. Auch heute zehre ich noch von den magischen Momenten, die zwischen Harmonie, Disharmonie und der Verstärkung durch den Songtext entstehen. Von dieser Einheit losgelöst, konnte ich erst später die Schönheit von Worten erkennen. Wie Geschichten vermittelt wurden, war mir völlig egal. Spannend wurde das Thema Text für mich erst, als ich Jahre später in einer Werbeagentur saß und einen ziemlich langweiligen Job hatte, in dem ich Werbung lediglich verkaufte, diese aber nicht selbst schrieb. Ich saß also gelangweilt vor meinem Computer, es war Weihnachtszeit und es roch nach dem Glühwein von gestern. Da wurde ich gefragt, ob ich ein Weihnachtsgedicht für Kunden Korrekturlesen könnte. Das habe habe ich dann auch gemacht. Die Korrektur wurde dann ein völlig neues Gedicht. Und das war nicht schlecht. Ein wenig später fragte ich mich dann selbst, warum ich die Zeit und Energie, die ich für meine damalige Freizeitbeschäftigung „schreiben“ aufbrachte, nicht in ein professionelles Umfeld bringen konnte. Die Idee, Texter zu werden, war geboren.

 

Was war deine erste Erfahrung mir Texten?


Da war viel Leidenschaft dabei, ganz viele unglücklich formulierte Sätze und viel redaktionelles Schreiben, das mit meiner heutigen Arbeit als Copywriter eigentlich recht wenig zu tun hat. Damals versuchte ich noch möglichst viele schöne Adjektive zu finden, damit alles schön lang und blumig wurde. Heute übe ich mich genau im Gegenteil.

 

Wie sieht ein Alltag eines Texters aus?


Jemand wie ich braucht ein Briefing. Das heißt, man bekommt eine Aufgabe, die man mit einem Text oder Konzept lösen sollte. Ein guter Texter und Konzepter schafft es in einem engen Rahmen an Möglichkeiten, die bestmöglich kreative Lösung für ein Problem zu finden. Das ist auch der grundlegende Unterschied zum klassischen Schreiben oder der Arbeit eines Autors. Es geht nicht immer darum der beste Schreiber zu sein, sondern vielmehr darum die stärkste aller Ideen zu finden und diese entsprechend umzusetzen. Die Umsetzung kann ein Text, eine Geschichte oder auch einfach nur ein einziges Bild sein. Man wird also gebrieft und macht sich dann an die Arbeit. Nach der ersten Abstimmung mit seinem Vorgesetzten oder/und dem Kunden startet man in den ersten Korrekturlauf und hofft, dass es bei diesem bleibt. Währenddessen tickt die Uhr.

  

Was war der beste / was war der schlechteste Moment als Texter?


Den besten Moment erlebe ich meisten ganz unwillkürlich, wenn ich eine Line getroffen habe und in dieser ganz viel drinsteckt. Schön ist es, wenn der Text mehrere Ebenen hat, die nicht nur eine sondern unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Unbezahlbar sind natürlich auch die Erfahrungen, die man während der Arbeit an einem Pitch macht. Der schlechteste Moment war, als ich einmal einen vorhandenen Text auf einer Website „nur umschreiben“ sollte. Das ist glücklicherweise schon wieder ein paar Jahre her und heute würde ich es ablehnen, das geistige Eigentum einer anderen Person anzurühren.

 

Wie ist dein Schreibstil?


Mein Texter-Stil richtet sich nach dem Briefing. Mein Schreibstil - naja - ist schon eher roh und wild.

 

Wie wird die Zukunft der Copywriter werden?


Ich denke, das Hören ist im Zeitalter von Alexa, Podcasts und Filmen besonders wichtig geworden. Ein Text soll sich also nicht nur gut lesen sondern vor allem Bilder malen und einprägsam klingen.

 

Was zeichnet dich besonders aus?


Mein Ziel ist es, möglichst vielschichtige Lösungen zu finden. Dabei traue ich mir heute zu sagen, dass Text in der Kommunikation für mich zwar immer die Hauptrolle spielt, ich aber andere Facetten, wie zum Beispiel Marketing, Musik und Visualität nicht außer Acht lassen möchte. Die konzeptionelle Ausrichtung einer Copy ist mir persönlich wichtiger als das penible Handwerk. Obwohl ich das sehr schätze und liebe.

 

Was liebst du am meisten beim texten und was magst du gar nicht?


Es gibt wie in jedem anderen Beruf auch mal gute und schlechte Tage. Ich mag es nicht, wenn die Dinge zu routiniert werden.

 

Woher kommt die Inspiration?


Das ändert sich laufend. Momentan kommt die Inspiration wieder von Rapmusik. Hamburger Schule. Berliner Gangart.

 

Was gibst du Neulingen mit, die meinen sie können nicht schreiben?


Verfolge diese Gedanken aber überwinde dich, trotzdem zu schreiben. Nur so kann man besser werden.

 

Wie kann man dich erreichen?


Am besten per Mail unter peter.scharfetter@googlemail.com

Robert Pacher
Robert Pacher
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